Wieso nur heulst du weißer Wolf?

Hörvariante:


„Ahoooo!!!“

Wieder einmal war das mächtige Wolfsgeheul im ganzen Wald zu hören. Alle Tiere erschraken erneut und brachten in Panik aus. Das ohnehin schon recht ängstliche Reh zitterte und bibberte am ganzen Leib. Das unruhige Kaninchen zappelt hin und her und das Eichhörnchen versteckt sich mal hier mal da, Hauptsache weg und in Sicherheit. Nur die Nachtigall schwingt erhaben ihre Flügel weit oben und blickt voller Arroganz herab, da sie ja zum Glück fliegen kann, in Gegensatz zu den anderen Tieren. Der Igel ärgert sich wieder einmal über die arrogante Nachtigall und ruft ihr zu, wie unfair es sei, dass sie fliegen kann. Ein wahrer Tumult bricht im Wald aus. Jedes einzelne Tier fürchtet den großen weißen Wolf, der täglich zur selben Zeit sein gewaltiges Gebrüll von hoch oben auf dem Berg los lässt. Die Spitze dieses Berges ist der höchste Punkt im ganzen Lande. Um diesen Berg ragt sogar eine Legende… Und zwar heißt es, dass man von seiner Spitze die Sterne berühren könnte, welche einem sogar einen Wunsch gewähren sollen. Ob dies jedoch der Wahrheit entspricht oder lediglich ein altes Ammenmärchen ist, das kann keiner genau sagen. Schließlich war von den anderen Tieren noch niemals irgendwer oben auf dem Berg drauf. Noch nicht einmal die arrogante Nachtigall, die einfach hinauffliegen könnte. Viel zu beschwerlich und auch gefährlich soll der Weg hinauf sein. Und dennoch ertönt das mächtige Wolfsgeheul jeden Tag von diesem Berg aus und verbreitet Angst und Schrecken im gesamten Wald…

„Nun geht das schon wieder los! Was haben die denn nur alle?“, fragt sich ein kleiner Luchs erneut beim Anblick, wie die anderen Tiere in Panik ausbrechen. Dieser kleine Luchs scheint eine Ausnahme darzustellen… Dieser scheint keine Angst zu haben… Viel mehr noch, scheint dieses kleine Kerlchen sogar recht neugierig zu sein.

„Ich frage mich warum der Wolf ständig so heult… Das tut er immerhin jeden Tag. Da muss es doch einen Grund für geben!“

Mit dieser Frage im Kopf, sucht der kleine Luchs wieder einmal das Gespräch bei den anderen Tieren, doch keines der Tiere will ihm zuhören. Es genügt schon das Wort „Wolf“ nur in den Mund zu nehmen und es bricht eine Massenpanik im Wald aus. Alle fürchten den großen weißen Wolf zu sehr. Und so bleibt die Frage des Luchses auch heute wieder unerhört und er streift durch den Schnee langsam wieder zurück in seinen Bau…

Die Nacht vergeht. Der Tag bricht an. Der Luchs erwacht. Streckt und reckt sich und spaziert langsam aus seinem Bau hinaus, wo ihn im Schnee glitzernde Sonnenstrahlen begrüßen. Ein wunderschöner Anblick, dachte sich der Luchs, doch noch immer quälte ihm eine bestimmte Frage…

„Warum nur heult der Wolf immer so?“ … „Warum nur heult der Wolf immer so?“ … „Warum nur heult der Wolf immer so?“ …

Immer… und immer wieder rast diese Frage durch seinen Kopf. Sie packt ihn, lässt ihn nicht los. Alle Tiere fürchten sich vor dem großen weißen Wolf, doch müssen sie das überhaupt? Ist der große weiße Wolf wirklich so gefährlich? Und falls ja, warum hat er noch niemals zuvor einen der Tiere im Wald etwas angetan? Die ganze Zeit über haben die Tiere Angst, zittern und bibbern und verstecken sich, sobald sie auch nur das Wort „Wolf“ hören und dabei hat der Wolf noch nie irgendetwas getan, was diese Angst rechtfertigt. Also warum haben sie so viel Angst? Was bringt sie so zum Erschaudern? Der Luchs konnte das einfach nicht verstehen und wanderte in Gedanken versunken langsam durch den Schnee.

Ach wie gerne würde der kleine Luchs herausfinden, wieso der Wolf so heult. Wie gerne würde er selber herausfinden, ob der Wolf wirklich so gefährlich ist. Ach wie unsagbar gerne würde er sich mit dem Wolf einmal treffen und unterhalten, um all seine ihn quälenden Fragen zu beantworten. Doch wie solle er dies anstellen? Er wüsste ja nicht, wo sich der große weiße Wolf aufhält. Allerdings… Einen Ort wüsste er ja schon… Einen Ort, an dem der große weiße Wolf immer wieder hin zurückkehrt… Einen Ort, den der große weiße Wolf täglich zur selben Zeit aufsucht… Die Bergspitze! Der Ort von dem aus jede Nacht das gewaltige Wolfsgeheul zu hören ist! Dies wäre der Ort, an dem der kleine Luchs den großen weißen Wolf definitiv treffen könnte. Doch wie solle er nur da hinauf kommen? Der Berg soll immerhin sehr gefährlich sein. Solle er es wirklich wagen und versuchen den Berg zu erklimmen? Anstatt Antworten zu finden, plagen ihn nun nur weitere Fragen. Und so durchstreift der kleine Luchs weiterhin gedankenversunken den Wald… Bis plötzlich die Nacht hereinbricht…

„Ahooooo!!!“

„Oh nein, oh nein, da ist er wieder der gefährliche Wolf!“, zitterte und bibberte das Reh erneut.

„Was sollen wir nur tun? Was sollen wir nur tun?“, zappelte das unruhige Kaninchen erneut hin und her.

„Wir müssen uns verstecken! Hört ihr? Verstecken müssen wir uns!“, ruft das kleine Eichhörnchen den anderen Tieren zu, während es verzweifelt nach guten Verstecken Ausschau hält.

„Hach, ihr und eure Sorgen! Also hier oben kann mir ja zum Glück so rein gar nichts geschehen!“, bemitleidet die Nachtigall die anderen Tiere auf ihrer arroganten Art erneut.

„Das ist unfair! Es ist so unfair! Komm gefälligst sofort herunter oder zeig uns, wie wir auch fliegen können!“, beschwert sich der Igel wieder einmal über die Ungerechtigkeit des fliegenden Vogels.

Nur der kleine Luchs bekommt keine Angst und horcht neugierig auf. Vielleicht könne er ja etwas aus dem Geheul heraushören. Er konzentriert sich darauf, dem Wolfsgeheul zu lauschen und dieses zu analysieren, doch vergebens… Die anderen Tiere machten es ihm auch nicht gerade einfach, in ihrer lautstarken Panik… Allerdings wurde dem kleinen Luchs in diesem Moment eines klar. Wenn er wirklich Antworten finden will und herausfinden möchte, wieso der große weiße Wolf ständig nur so heult, dann gäbe es nur einen einzigen Weg. Eine einzige Möglichkeit um dies zu bewerkstelligen. Der Luchs müsse… den Berg erklimmen!

So vergeht eine weitere Nacht und ein weiterer Tag bricht heran. Der Luchs erwacht, reckt und streckt sich… doch diesmal hat er einen Plan! Heute Nacht soll es passieren! Heute Nacht wird er versuchen den Berg zu erklimmen, um oben auf der Spitze den weißen Wolf zu treffen! Der kleine Luchs hat genug davon nichts tuend herumzusitzen und abzuwarten, Es wird Zeit die Zügel selber in die Hand zu nehmen und dieses Mysterium ein für alle Mal zu klären! So nutzt der kleine Luchs den Tag, um sich auf sein großes Abenteuer vorzubereiten. Als die Zeit anbricht, macht er sich auf den Weg. Er hört die anderen Tiere noch beim Vorbeigehen beten, dass der Wolf ihnen hoffentlich nichts tut und sie dieses furchtbare Wolfsgeheul heute Nacht nicht erneut ertragen müssen. Doch diese Gespräche kennt der Luchs bereits, da diese jeden einzelnen Tag stattfinden… „Ständig wiederholt sich das Trauerspiel der Tiere des Waldes“, denkt sich der kleine Luchs, während er sich weiter auf den Weg zum Berg macht.

„Na wen haben wir denn da? Guten Tag Herr Luchs. Wo wollen Sie denn heute hin?“, beginnt eine weibliche Stimme zu sprechen.

„Oh guten Tag Frau Waschbär! Ich bin auf dem Weg zum Berg! Ich möchte ihn heute hinaufklettern!“, antwortet der Luchs.

„Den Berg hinaufklettern?! Ach seien Sie doch nicht albern Herr Luchs! Das ist viel zu gefährlich! Oder wissen Sie etwa nicht wer sich da oben immer aufhält?“, entgegnet der Waschbär ihm.

„Ja eben deswegen will ich ja da hinauf! Ich weiß der Weg ist gefährlich… Aber es muss doch irgendeinen Grund geben, wieso der Wolf immer so heult! Und diesen Grund werde ich heute herausfinden! Wer weiß? Vielleicht kann ich ihm ja sogar irgendwie helfen!, spricht der Luchs voller Entschlossenheit.

„Wie bitte?! Dieser Bestie helfen?! Sie sind doch verrückt! Diese Bestie wird Sie in Stücke reißen!“, erwidert der Waschbär mit lauter werdender Stimme.

„Ach das ist doch Unsinn! Wann bitte hat der Wolf denn jemals jemanden etwas getan, frage ich Sie?“, verteidigt der Luchs den Wolf.

„Nur weil der Wolf noch keine Gelegenheit dazu hatte, heißt das nicht, dass er diese nicht sofort nutzt und sich auf jemanden stürzt, sobald die Gelegenheit sich bietet!“, spricht der Waschbär in einem belehrenden Ton.

„Das sind doch alles nur Vorurteile! Was wissen Sie schon über den Wolf? Gar nichts! Sie werden schon sehen! Ich werde den Wolf treffen und beweisen, dass Sie, sowie die anderen Tiere dem Wolf Unrecht tun!“, entgegnet der Luchs dem Waschbär noch, bevor er entschlossen weiter zum Berg rennt.

„Hach… Würde dieser naive kleine Luchs doch nur auf uns hören…“, seufzt der Waschbär, während sie den Luchs zum Berg rennen sieht…

„Da vorne ist bereits der Berg! So von Nahem sieht er noch viel größer aus!“, dachte sich der kleine Luchs als er weiter entschlossen auf den Berg zu lief. Nach einigen Minuten erreichte er den Berg und blickte sich genau um, um den besten Aufstiegsplatz zu finden. Da erreichten seine Ohren plötzlich eine Stimme…:

„Hey du da kleiner Lümmel! Wo willst du denn hin hä?“

„Halle Dachs! Ich möchte den Berg hinauf!“, antwortet der Luchs dem Dachs.

„Den Berg hinauf? Bist du bescheuert oder was? Das schaffst du kleiner Waschlappen doch niemals! Selbst der weiße Wolf hatte seine Schwierigkeiten beim ersten Versuch!“, spottet der Dachs.

„Der Wolf? Sag bloß du kennst den Wolf! Wegen ihm möchte ich nämlich den Berg hinauf! Ich möchte unbedingt mit ihm reden!“, spricht der Luchs leicht euphorisch.

„Klaro kenne ich den Wolf! Er ist sowas wie, mein persönlicher Bodyguard! Also wenn so ein Doofkopp wie du nicht auf meine weisen Worte hört, hetz ich ihn auf dich los, kapiert? Außerdem vergiss dein Vorhaben lieber mal schnell! Mich mag der Wolf aber dich würde er sofort zerfleischen, so mickrig wie du bist!“, erwidert der Dachs mit stolzer herausgestreckter Brust.

„Das glaube ich dir nicht, dass der Wolf so etwas tun würde! Aber wenn du ihn so gut kennst, wie du behauptest, müsstest du ja wissen, wieso der Wolf immer so heult! Bitte verrate es mir! Das möchte ich nämlich unbedingt herausfinden!“, bittet der Luchs.

„Wieso… der Wolf… heult? Ähm… ja… aber natürlich weiß ich das! Der Wolf vertraut mir immer absolut alles an! Aber dir Tölpel werde ich es bestimmt nicht verraten! HA! Soweit kommt es noch, dass ich irgend so einem daher gelaufenem Gesindel sowas privates und persönliches von meinem guten Freund erzähle!“, Und nun verschwinde endlich von meinem Berg! Husch, husch! So ein dreckiger Luchs, wie du hat hier nichts zu suchen!“, antwortet der Dachs erst etwas zögernd.

„Na gut! Wenn du es mir nicht sagen willst, dann werde ich jetzt eben den Berg hinaufklettern und es selber herausfinden!“, erwidert der Luchs, während er sich zum hinauf klettern bereit macht.

„Versuch es doch! Aber beschwere dich hinterher nicht, wenn du dabei drauf gehst! Der Wolf wird ohnehin niemandem da oben dulden, der von mir keine Erlaubnis bekam! Du wirst schon sehen!“, versucht der Dachs den Luchs von dessen Vorhaben abzubringen.

„Ich glaube dir kein Wort!“, antwortet der Luchs misstrauisch und beginnt seine ersten Schritte in Richtung Berg hinauf klettern.

„Bitte was? Willst du damit etwas behaupten ich sei ein Lügner? Jetzt wirst du also auch noch unverschämt oder wie? Hey! Warte gefälligst, während ich mit dir rede! Heeey!“, ruft der Dachs dem emporsteigendem Luchs nach, doch dieser reagiert gar nicht mehr darauf und konzentriert sich nur noch darauf den riesigen Berg zu erklimmen.

„So ein Idiot! Soll keiner sagen, dass ich ihn nicht gewarnt hätte… Dann stirbt er eben! Mir doch egal! Ist ja nicht so, als ob ich mir Sorgen um ihn machen würde… Meine Schuld ist es jedenfalls nicht, wenn ihm was passiert! Um so einen Deppen ist es auch nicht schade… Wirklich nicht… Hmm… Idiot…“, murmelt der Dachs in sich hinein, während er versucht seine Besorgnis um den Luchs zu verstecken.

Währenddessen springt der Luchs von einem Vorsprung zum nächsten und klettert voller Motivation und Entschlossenheit eifrig und tapfer den Berg hinauf. Immer weiter und weiter hinauf. Der Wind beginnt immer stärker um sich zu peitschen, je höher der Luchs hinaufsteigt. All seine Bewegungen wirken Federleicht und elegant. Probleme scheint der Luchs überhaupt keine beim Besteigen zu haben und wundert sich daher, warum der Berg so gefährlich sein soll. Nach einer Weile wird der Wind allerdings so stark, dass der Luchs Schwierigkeiten bekommt sein Gleichgewicht zu halten. Mit aller Kraft stemmt sich der Luchs gegen den starken Wind, um nicht weggeweht zu werden.

„Ah! … Das war knapp! Nun verstehe ich langsam doch, wieso dieser Berg als so gefährlich gilt. Bei diesem starken Wind kann man wirklich leicht abrutschen. Dazu sind die Vorsprünge auch recht bröselig hier oben, weshalb man ganz genau aufpassen muss, wo man hintritt. Uff… ganz schön anstrengend dort hinaufzuklettern und dabei liegt noch so viel vor mir!“, denkt der Luchs sich, nachdem er fast wegrutschte, weil die Stelle zu bröseln begann, auf die er trat.

Allerdings lässt sich der Luchs davon nicht entmutigen und setzt seine kleine Kletterpartie fort. Immerhin wolle er endlich den Wolf treffen und herausfinden, warum dieser nur so heult. Da erinnert er sich nochmal an die Legende rund um diesen Berg. Die Legende, dass man sich etwas von den Sternen wünschen können soll, wenn man die Spitze erreicht. Der kleine Luchs fragt sich daraufhin, ob das der Grund ist, wieso der Wolf jede Nacht hier hinaufklettert und heult. Vielleicht wünscht er sich ja irgendetwas. Nur was? Es muss ganz schön wichtig für den weißen Wolf sein, wenn er diesen mühseligen und gefährlichen Weg tagtäglich auf sich nimmt, nur um diesen Wunsch zu äußern. Es gibt jedoch nur einen Weg, um dieses herauszufinden! Und der heißt klettern! Immer weiter hinaufklettern! Bis zu der Spitze, wo hoffentlich der Wolf wartet und ihm diese Frage hoffentlich beantwortet! Der Wind tut sein bestmögliches um den Luchs davon abzuhalten. Immer wieder steht der Luchs kurz davor von den kleinen Vorsprüngen weggedrängt zu werden und abzurutschen, doch stellt sich der Luchs mit seinem gesamten Körpergewicht dagegen und kämpft sich Meter für Meter voran. Ein Kampf gegen den stürmischen Wind. Ein Kampf ums Überleben. Ein gefährlicher Kampf. Ein Kampf, vor dem der Luchs nicht davon laufen kann, wenn er sein Ziel verwirklichen will. Weiter… immer weiter… Der Boden ist schon gar nicht mehr zu erkennen… Der Luchs ist schon eine ganze Weile unterwegs und hat bereits einen weiten Weg zurückgelegt. Der Gipfel ist allerdings noch immer nicht in Sicht und dem Luchs geht langsam die Puste aus… Jeder Schritt… Jeder Atemzug, wird schwerfälliger… Sein Körper beginnt sich wie ein nasser Kartoffelsack anzufühlen… Er keucht… Doch er gibt nicht auf und kämpft sich weiter voran… Immer weiter, während der Abend bereits hereinbricht…

„Was… sind das für Geräusche? … Ist das… der Wolf? Der Wolf ist auch schon auf dem Weg nach oben? Und wie leicht es bei ihm aussieht… Er springt mit so einer Leichtigkeit und einer unglaublichen Schnelligkeit von Vorsprung zu Vorsprung, dabei muss das doch selbst für ihn sehr anstrengend sein… Ich darf mich nicht ausruhen! Ich muss mich beeilen, sonst verpasse ich ihn noch und dann wäre alles umsonst gewesen! Also weiter hinauf! Immer weiter hinauf! … Und hepp!“, denkt der Luchs sich mit neu gewonnener Entschlossenheit und klettert weiter hinauf.

„Ahhhh!!! … So ein Mist! … Nein! … Hilfe! … Ich kann mich nicht mehr lange festhalten!“, ruft der Luchs, nachdem der Vorsprung unter ihm wegbrach und er sich mit größter Not am Berg festkrallt.

„Ich rutsche… Ich kann mich nicht mehr… festhalten… Mich verlässt die Kraft… Nein! Arrrghhh… ich schaffe es einfach nicht mich hinaufzuziehe! … Ich… Ahhhh!!!…“, verliert der Luchs den Halt und fällt hinab… Zumindest denkt der Luchs das, während er seine Augen fest zukneift!

„Hä? … Ich… aber… ich falle ja gar nicht? Aber wie?“, fragt sich der Luchs und beginnt langsam die Augen zu öffnen. Da sieht er ihn! Der Wolf! Der weiße Wolf! Er krallte sich die Pfoten des Luchses und hält ihn fest! Mit viel Kraft zieht der Wolf den Luchs langsam wieder hinauf… Der Luchs war gerettet! Gerettet vom großen weißen Wolf, der ihm zur Rettung eilte!

„Hah, hah, hah… Da-Danke… hah, hah, hah… Du… hast mich gerettet! Ich… dachte es wäre aus mit mir! Ich danke dir weißer Wolf!“, bedankt sich der Luchs komplett außer Atem.

„Aber das war doch selbstverständlich! Schließlich müssen wir Tiere uns doch alle gegenseitig helfen und unterstützen! Sie müssen hier wirklich vorsichtig sein verehrter Luchs! Dieser Berg ist wirklich gefährlich und alles andere als leicht zu erklimmen. Besonders bei den ersten Versuchen.  Es wäre wirklich jammerschade, wenn Ihnen etwas zustoßen würde, verehrter Luchs. Hmm… entschuldigen Sie bitte meine aufdringliche Neugierde, doch dürfte ich Sie fragen, wieso Sie diesen Berg überhaupt erklimmen?“, erwidert der weiße Wolf in seiner bedrohlichen Stimme sehr höflich.

„Ähm nun… Wegen dir!“, antwortet der Luchs.

„Wegen… mir? Es tut mir Leid aber ich… verstehe nicht.“, spricht der Wolf leicht verwirrt.

„Also ich wollte dich treffen weißer Wolf! Jede Nacht ist dein mächtiges Geheul zu hören, weshalb die Tiere im Wald jede Nacht in fürchterlicher Panik geraten. Die Tiere jammern und bibbern vor Angst und behauptet, dass du sie alle fressen wirst, obwohl du noch nie jemandem etwas getan hast! Ich hatte genug von dem herumgejammer und wollte den Grund für das Geheul auf dem Grund gehen und dachte mir ich würde dich treffen, wenn ich den Berg erklimme! Vielleicht kann ich dir ja sogar helfen, falls du irgendwelche Probleme haben solltest!“, erklärt der Luchs dem Wolf seine Beweggründe.

„Oh ich wusste nicht, dass ich den verehrten Tieren des Waldes so viele Unannehmlichkeiten mit meinem Wolfsgeheul bereite. Ich möchte mich in aller Form dafür entschuldigen! Doch bitte verzeiht meinen Egoismus. Es gibt einen wirklich wichtigen Grund für mein Verhalten, weshalb ich so vermessen bin und Euch verehrte Tiere um noch ein wenig mehr Geduld bitten möchte!“,  entschuldigt sich der Wolf voller Reue.

„Du bist dich nicht entschuldigen! Die anderen Tiere sollten es, da sie dir in ihrer Ignoranz einfach irgendetwas Böses unterstellen, obwohl du das gar nicht verdient hast! Doch bitte sage mir weißer Wolf, wieso heulst du denn nun jede Nacht auf diesem Berg?“, beschwichtigt der Luchs des Wolf.

„Bitte verzeiht verehrter Luchs, jedoch möchte ich nur sehr ungerne darüber sprechen. Allerdings, könntet Ihr mich auf die Spitze des Berges hinaufbegleiten und es selber herausfinden, falls es Sie so brennend interessiert. Zusammen wird der Aufstieg auch erheblich leichter sein, da ich bereits in Erfahrung bringen konnte, wo es am sichersten ist hinaufzusteigen.“, bietet der Wolf dem Luchs seinen Vorschlag an.

„Sehr gerne! Vielen Dank weißer Wolf!“, nimmt der Luchs das Angebot ohne zu zögern an.

So brechen die Beiden auf, um den Berg weiter zu erklimmen. Der Wolf drosselt seine Geschwindigkeit ein wenig, damit es für den Luchs leichter wird Schritt zu halten. Der Luchs beobachtet haargenau, wo der Wolf entlangklettert und versucht sein Bestes mitzuhalten. Auf diese Weise stellt der Luchs fest, dass das Hinaufklettern wirklich erheblich einfacher ist, wenn man genau weiß, wo man entlang muss. Beeindruckt vom Wissen des Wolfes klettert der Luchs weiter hinterher, bis beide die Spitze erreichen. Oben angekommen blickt der kleine Luchs um sich und erblickt einen wunderschönen Sternenhimmel! Die Sterne leuchten und funkeln so hell und wirken irgendwie so nah und doch so gern! Ein faszinierender Anblick, denkt sich der Luchs. Sowas wunderschönes habe er noch nie zuvor gesehen. Währenddessen schreitet der Wolf weiter nach vorne, näher an die Sterne heran und beginnt sein Wolfsgeheul…

„Ahooooooooo!!!“

Die Sterne beginnen daraufhin sonderbar zu funkeln, als ob sie auf das Wolfsgeheul reagieren würden.

„Willkommen auf dem Sternenberg, verehrtes Tier.

Als Belohnung verrate uns doch dein herzlichstes Begier.“, beginnen die Sterne mystisch zu sprechen.

„Erhöret mich verehrte Sterne, so erhöret meinen Wunsch! Nehmt mich bitte bei euch auf und lasst auch mich zu einem Stern werden! Damit ich stets über die so weit entfernt lebende Familie meiner geliebten Schwester wachen und sie beschützen kann! Dies ist mein sehnlichster Herzenswunsch, somit bitte ich euch! Würdet ihr mir die Ehre erweisen und mir diesen erfüllen?“, spricht der Wolf mit voller Entschlossenheit zu den Sternen.

„So lausche einmal mehr unseren Worten.

Dein Begier ließest du bereits des Öfteren verlauten.

Wie viele Monde batst du uns bereits um Rat?

Doch jedes Mal blieb dir dein Wunsch leider versagt.

Gekommen war die Zeit bisher einfach noch nicht.

Heute jedoch strahlt auf dich herab des Mondes Licht.

So lausche gut und spitz die Öhr.

Heute ist der Tag, an dem wir die leihen unser Gehör.

Wie sehr du dir es wünschst, hast du bereits oft bewiesen.

Ein reines Herz ist dabei stets in deiner Brust gewesen.

Ein Stern zu werden, dies wünschst du dir?

Gut, ein Stern aus dir zu machen, das werden wir.“

Mit diesen Worten beginnen die Sterne gewaltig zu funkeln und zu leuchten. Ihr Strahlen war so hell, wie noch nie zuvor, denkt sich der Luchs, der von dieser Helligkeit geblendet wird. Das gesamte Himmelszelt ertrinkt im hellen Sternenschein. Es ist, als ob das Leuchten den Wolf einhüllen würde. Dieses Leuchten wirkt so warm… so freundlich… Genauso, wie es der weiße Wolf in Wirklichkeit stets selber war, denkt sich der Luchs, während er die Szenerie fasziniert beobachtet…

Nach einer Weile verschwand der Wolf gen Himmelszelt und… wurde selber zu einem Stern, so wie er es sich gewünscht hat.

„Ich freue mich für dich lieber Wolf! Ich freue mich, dass dein Wunsch sich nun endlich erfüllt hat! Bitte wache von nun an auch über unseren Wald! Ich werde definitiv sicherstellen, dass du niemals vergessen wirst, mein Freund!“

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